PS vs. kW: Die Geschichte der Leistungseinheiten
Die Pferdestärke hat eine überraschend präzise Herkunft: Der schottische Ingenieur James Watt führte die Einheit um 1782 ein, um die Leistungsfähigkeit seiner Dampfmaschinen für potenzielle Käufer greifbar zu machen. Er definierte sie als die Arbeit, die ein Zugpferd leisten kann, wenn es ein Gewicht von 76 Kilogramm um einen Meter pro Sekunde hebt. Mathematisch entspricht das 75 Kilopondmeter pro Sekunde oder exakt 735,5 Watt – die metrische Pferdestärke (PS).
Es ist eine historische Ironie, dass die Einheit nach James Watt benannt wurde – dem Mann, der sie erfand, um Pferde als Maßstab zu verdrängen. Im englischsprachigen Raum existiert zudem eine leicht abweichende 'Imperial Horsepower' (HP), die mit 745,7 Watt etwas mehr leistet als die metrische PS. Dieser Unterschied (etwa 1,4 %) fällt im Alltag kaum ins Gewicht, ist aber bei präzisen technischen Vergleichen relevant. Europäische Fahrzeugdatenblätter verwenden stets die metrische PS (1 PS = 0,7355 kW).
Die Europäische Union hat im Zuge der Harmonisierung des Binnenmarktes die Kilowatt-Angabe zur Pflicht gemacht. Seit der Richtlinie 80/181/EWG und deren Nachfolger ist kW die amtliche Maßeinheit für Motorleistung auf Fahrzeugscheinen (Zulassungsbescheinigung Teil I und II) in allen EU-Mitgliedstaaten. In der deutschen Zulassungsbescheinigung ist im Feld P.2 die Motorleistung in kW angegeben – PS taucht dort nicht auf. Dennoch zeigen Hersteller in Broschüren und Werbung aus Kundentradition meist beide Angaben nebeneinander.
Die Umrechnungsformel
Die Umrechnung zwischen kW und PS ist denkbar einfach, solange man die Grundformel kennt: 1 PS entspricht exakt 0,7355 kW. Umgekehrt gilt: 1 kW entspricht 1,3596 PS. Diese Faktoren leiten sich direkt aus der physikalischen Definition der metrischen Pferdestärke ab (75 kp·m/s = 735,499 W).
Einige praktische Rechenbeispiele veranschaulichen die Anwendung: Ein Kleinwagen mit 75 PS leistet 75 × 0,7355 = 55,2 kW. Ein Mittelklassefahrzeug mit 150 kW entwickelt 150 × 1,3596 = 203,9 PS – in der Werbung auf 204 PS aufgerundet. Ein Sportwagen mit 300 PS entspricht 300 × 0,7355 = 220,7 kW. Ein Elektro-SUV mit 220 kW leistet 220 × 1,3596 = 299,1 PS.
Eine Eselsbrücke für häufige Werte: 100 PS = 73,6 kW, 200 PS = 147,1 kW, 100 kW = 136,0 PS, 200 kW = 272,0 PS. Im Kopf lässt sich die Näherungsformel verwenden: kW ≈ PS × 0,74 und PS ≈ kW × 1,36. Diese Näherung ist für alltägliche Vergleiche ausreichend präzise (Abweichung unter 0,1 %).
Leistungstabelle für Fahrzeugklassen
Fahrzeuge werden je nach Einsatzzweck und Segment mit sehr unterschiedlichen Motorleistungen angeboten. Kleinwagen (z. B. VW Polo, Opel Corsa) bewegen sich typischerweise im Bereich von 40 bis 75 kW (55 bis 102 PS). Diese Leistung reicht für den städtischen Alltagsbetrieb und gelegentliche Überlandfahrten vollkommen aus und sorgt gleichzeitig für niedrige Betriebskosten.
Fahrzeuge der Kompaktklasse (VW Golf, Ford Focus, Toyota Corolla) rangieren zwischen 75 und 110 kW (102–150 PS). Sie bieten genug Leistung für Autobahnetappen und das Beladen mit vier Personen und Gepäck. Die Mittelklasse (BMW 3er, Mercedes C-Klasse, Audi A4) umfasst typischerweise Motorisierungen von 100 bis 150 kW, während Fahrzeuge der Oberklasse und SUV-Segmente mit 150 bis 300 kW (204–408 PS) und mehr angeboten werden.
Elektrofahrzeuge werden ausschließlich in kW angegeben, wobei die Spitzenleistung (Peak Power) und die Dauerleistung (Continuous Power) unterschieden werden müssen. Ein Tesla Model 3 Standard Range leistet etwa 208 kW (283 PS), ein Model S Plaid sogar über 750 kW (1.020 PS) im Overboost. Sportwagen und Supersportwagen mit Verbrennungsmotor erreichen 300 bis über 1.000 kW – der Bugatti Chiron Super Sport etwa kommt auf 1.176 kW (1.600 PS).
KBA-Statistiken: Durchschnittliche Fahrzeugleistung in Deutschland
Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg veröffentlicht jährlich detaillierte Statistiken zur Fahrzeugflotte in Deutschland. Demnach lag die durchschnittliche Motorleistung der im Jahr 2024 neu zugelassenen Personenkraftwagen bei rund 110 kW (ca. 150 PS). Dieser Wert hat sich im Vergleich zu 1990, als Neuwagen durchschnittlich etwa 55 kW leisteten, in etwa verdoppelt.
Der Anteil von Fahrzeugen mit hoher Motorleistung (über 147 kW / 200 PS) ist im selben Zeitraum von rund 5 Prozent auf etwa 18 Prozent aller Neuzulassungen gestiegen. Treiber dieser Entwicklung sind SUVs, die in den letzten zehn Jahren einen immer größeren Anteil am Neuwagenmarkt eingenommen haben, sowie Premiumfahrzeuge, die in Deutschland traditionell stark vertreten sind. Gleichzeitig wächst der Anteil von Elektrofahrzeugen, die in der Regel hohe Spitzenleistungen bei niedrigem Normverbrauch vereinen.
Die beliebtesten Neuwagen in Deutschland (VW Golf, VW Tiguan, Skoda Octavia, BMW 1er) werden in Leistungsvarianten von etwa 66 kW bis über 200 kW angeboten. Der meistverkaufte Benziner-Golf kommt meist mit 85 bis 110 kW, der meistverkaufte Diesel mit 85 bis 150 kW. Diese breite Spreizung zeigt, dass die Mehrheit der Käufer keine Extremleistung sucht, sondern eine ausgewogene Balance aus Fahrleistung, Verbrauch und Preis.
Leistung und Verbrauch: Der Zusammenhang
Eine weit verbreitete Annahme lautet, mehr Leistung bedeute automatisch mehr Verbrauch. Das stimmt so pauschal nicht: Der Kraftstoffverbrauch hängt weniger von der installierten Maximalleistung als von der tatsächlich abgerufenen Last ab. Ein 150-kW-Fahrzeug, das bei gemäßigter Fahrweise nur 20 kW benötigt, verbraucht nicht mehr als ein 90-kW-Fahrzeug unter denselben Bedingungen. Leistungsstarke Motoren werden im Alltag selten voll ausgefahren.
Für den Vergleich zwischen Verbrennungsmotor und Elektroantrieb sind unterschiedliche Maßeinheiten relevant. Verbrenner werden in Liter pro 100 Kilometer (L/100 km) gemessen, Elektrofahrzeuge in Kilowattstunden pro 100 Kilometer (kWh/100 km). Ein effizienter Mittelklasse-Benziner benötigt etwa 5–7 L/100 km, ein Diesel 4–6 L/100 km. Ein Elektroauto gleicher Größe kommt auf 15–20 kWh/100 km. Bei einem Strompreis von 30 ct/kWh und einem Benzinpreis von 1,70 €/L bedeutet das: E-Auto ca. 4,5–6,0 €/100 km, Benziner ca. 8,5–12,0 €/100 km.
Der EU-Normverbrauch wird nach dem WLTP-Testzyklus (Worldwide Harmonised Light Vehicle Test Procedure) ermittelt, der seit 2018 den alten NEFZ ersetzt und realitätsnähere Werte liefert. In Deutschland orientiert sich die Kfz-Steuer für Verbrenner am Hubraum und an den CO₂-Emissionen (g/km), nicht direkt an der Motorleistung in kW. Andere Länder, etwa Frankreich und Portugal, verwenden für die Fahrzeugsteuer jedoch leistungsabhängige Berechnungsmodelle.
Elektroautos: kW und kWh richtig unterscheiden
Bei Elektrofahrzeugen begegnen einem zwei verschiedene Leistungsangaben, die häufig verwechselt werden: kW und kWh. Kilowatt (kW) bezeichnet die Leistung des Elektromotors – also wie schnell das Fahrzeug Energie in Bewegung umwandeln kann. Kilowattstunden (kWh) bezeichnen die Energiemenge, die in der Batterie gespeichert ist und die Reichweite bestimmt. Ein Fahrzeug mit 77 kWh Batteriekapazität und 150 kW Motorleistung ist nicht für 77 ÷ 150 = 0,51 Stunden Fahrt bei Volllast ausgelegt – solche Szenarien spielen im Realbetrieb keine Rolle.
Für die Reichweitenberechnung ist die Batteriekapazität (kWh) und der spezifische Verbrauch (kWh/100 km) entscheidend. Formel: Reichweite (km) = Batteriekapazität (kWh) ÷ Verbrauch (kWh/100 km) × 100. Beispiel: 77 kWh Batterie, 18 kWh/100 km Verbrauch → 77 ÷ 18 × 100 = 428 km Reichweite (WLTP). In der Praxis sind Abzüge für Kälte, Autobahntempo und Klimatisierung zu berücksichtigen.
Beim Laden eines Elektroautos beschreibt die Ladeleistung in kW, wie schnell Energie in die Batterie fließt. Eine 11-kW-Wechselstrom-Wallbox lädt 77 kWh in ca. 7 Stunden (77 ÷ 11 = 7). Eine 50-kW-DC-Schnellladestation lädt in etwa 90 Minuten auf 80 Prozent (ca. 61 kWh ÷ 50 kW = 1,2 h). Hochleistungslader mit 150 kW oder 350 kW (z. B. Ionity-Netzwerk) ermöglichen Ladezeiten von unter 20 Minuten für 100 km Reichweite. Diese enorme Bandbreite an Ladeleistungen macht deutlich, warum die Angabe in kW so wichtig ist.