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Witwenrente 2026: Große vs. kleine Rente, Freibeträge und Anrechnung erklärt

Die Witwenrente ist eine der wichtigsten Hinterbliebenenleistungen der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung. Geregelt in § 46 SGB VI, haben Witwen und Witwer unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine monatliche Rente. Durch die Einkommensanrechnung und die Unterscheidung zwischen großer und kleiner Witwenrente ist die genaue Höhe oft schwer zu kalkulieren – dieser Artikel erklärt alles Schritt für Schritt.

8 Min. Lesezeit1. April 20262 Quellen

Verwendete Quellen & Datengrundlage

Deutsche Rentenversicherung – § 46 SGB VI

Rechtsgrundlage und Berechnungsinformationen zur Witwen-/Witwerrente

Bundessozialgericht (BSG)

Aktuelle Rechtsprechung zu Hinterbliebenenrenten und Einkommensanrechnung

Was ist die Witwenrente? Voraussetzungen und Anspruch

Die Witwenrente (bzw. Witwerrente für Männer) ist eine Hinterbliebenenrente der gesetzlichen Rentenversicherung (DRV), die nach dem Tod eines versicherten Ehepartners oder eingetragenen Lebenspartners gezahlt wird. Die rechtliche Grundlage ist § 46 SGB VI. Wichtig: Leistungen gelten gleichermaßen für Witwen und Witwer sowie für Hinterbliebene eingetragener gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften.

Voraussetzungen für den Anspruch: Der verstorbene Partner muss eine allgemeine Wartezeit von mindestens 5 Jahren Beitragszeit in der gesetzlichen Rentenversicherung erfüllt haben. Die Ehe (oder eingetragene Lebenspartnerschaft) muss mindestens 1 Jahr bestanden haben – diese Mindestfrist entfällt, wenn der Tod durch einen Unfall oder eine plötzlich aufgetretene Krankheit eingetreten ist (Unfallklausel). Eine Wiederheirat beendet den Anspruch auf Witwenrente, löst aber eine einmalige Rentenabfindung aus.

Nicht zu verwechseln ist die Witwenrente mit der Waisenrente (für Kinder des Verstorbenen bis 18 Jahre, bei Schul-/Ausbildung bis 27 Jahre: Halbwaisenrente = 10% der Rente des Verstorbenen, Vollwaisenrente = 20%) und der Erziehungsrente (für geschiedene Personen, die nach der Scheidung ein Kind erziehen und noch nicht wieder geheiratet haben).

Kleine vs. Große Witwenrente: Der entscheidende Unterschied

Es gibt zwei Arten der Witwenrente, die sich in Höhe und Dauer erheblich unterscheiden. Die kleine Witwenrente beträgt 25% der Rentenansprüche des Verstorbenen (genauer: der sogenannten Vollrente wegen Alters oder Erwerbsminderung des Verstorbenen). Sie wird maximal für 24 Monate gezahlt. Sie kommt zum Zug, wenn der Überlebende weder ein Kind im Sinne der Rentenversicherung erzieht, noch das 47. Lebensjahr vollendet hat, noch selbst erwerbsgemindert ist.

Die große Witwenrente beträgt 55% der Rentenansprüche des Verstorbenen und wird dauerhaft (bis zum Lebensende, vorbehaltlich Einkommensanrechnung und Wiederheirat) gezahlt. Anspruch auf die große Witwenrente hat, wer: mindestens ein Kind im Sinne der Rentenversicherung erzieht (eigenes Kind, Adoptivkind, Pflegekind des Verstorbenen unter 18 Jahre oder in Ausbildung bis 27 Jahre), oder das 47. Lebensjahr vollendet hat, oder selbst voll erwerbsgemindert ist.

Beispielrechnung: Wenn der verstorbene Ehemann eine Rentenanspruch von 1.800 €/Monat hätte, beträgt die kleine Witwenrente: 1.800 × 0,25 = 450 €/Monat (max. 24 Monate). Die große Witwenrente: 1.800 × 0,55 = 990 €/Monat (dauerhaft). Der Übergang von kleiner zu großer Witwenrente erfolgt automatisch, sobald die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind (z. B. bei Vollendung des 47. Lebensjahres).

Freibetrag und Einkommensanrechnung 2026

Die wichtigste Besonderheit der Witwenrente ist die Einkommensanrechnung: Eigenes Einkommen des Hinterbliebenen wird ab einem bestimmten Freibetrag auf die Witwenrente angerechnet. Der Freibetrag 2026 beträgt das 26,4-fache des aktuellen Rentenwertes. Mit dem Rentenwert West 2026 von ca. 40,43 € ergibt sich ein monatlicher Freibetrag von ca. 1.067 €.

Die Anrechnung funktioniert so: Übersteigt das anrechenbare Einkommen den Freibetrag, werden 40% des übersteigenden Betrags von der Witwenrente abgezogen. Formel: Kürzungsbetrag = (Einkommen − Freibetrag) × 0,40. Beispiel: Hinterbliebene verdient 1.800 €/Monat netto. Überschreitung: 1.800 − 1.067 = 733 €. Kürzung: 733 × 0,40 = 293,20 €. Tatsächliche große Witwenrente: 990 − 293,20 = 696,80 €/Monat.

Welche Einkommensarten werden angerechnet? Angerechnet werden: Erwerbseinkommen (Bruttolohn nach Abzug einer 40%-Pauschale), Einkünfte aus selbstständiger Arbeit, Versorgungsbezüge (z. B. Beamtenpension), Renten aus privaten Lebensversicherungen und Kapitalerträge über dem Sparerpauschbetrag. Nicht angerechnet werden: Kindergeld, Leistungen nach SGB II (Bürgergeld), Pflegegeld, Wohngeld, einige Sozialleistungen.

Praktische Beispielrechnungen

Szenario 1: Hinterbliebene (54 Jahre, keine Kinder) verdient 1.200 €/Monat netto als Teilzeitkraft. Verstorbener hätte 1.600 € Rente erhalten. Große Witwenrente (55%): 880 €. Freibetrag: 1.067 €. Einkommen 1.200 € übersteigt Freibetrag um 133 €. Kürzung: 133 × 0,40 = 53,20 €. Tatsächliche Witwenrente: 880 − 53,20 = 826,80 €.

Szenario 2: Hinterbliebene (61 Jahre, ein Kind 16 Jahre alt) verdient kein Einkommen. Verstorbener hätte 2.200 € Rente erhalten. Große Witwenrente (55%): 1.210 €. Einkommen (0 €) unter Freibetrag (1.067 €). Kürzung: 0 €. Tatsächliche Witwenrente: 1.210 € voll ausgezahlt.

Szenario 3: Hinterbliebene (42 Jahre, kein Kind) verdient 3.000 €/Monat. Verstorbener hätte 1.200 € Rente erhalten. Kleine Witwenrente (25%): 300 €/Monat für max. 24 Monate. Freibetrag: 1.067 €. Überschreitung: 3.000 − 1.067 = 1.933 €. Kürzung: 1.933 × 0,40 = 773,20 €. Da 773,20 > 300 €, wird die Witwenrente vollständig auf 0 € gekürzt.

Besonderheiten und Ausnahmen

Rentenabfindung bei Wiederheirat: Heiratet ein Hinterbliebener erneut, erlischt der Anspruch auf Witwenrente. Stattdessen erhält er eine einmalige Abfindung in Höhe des 24-fachen der monatlichen Witwenrente (also der letzten Zahlung × 24). Diese Regelung soll verhindern, dass die Wiederheirat finanziell bestraft wird.

Geschiedene Personen: Geschiedene Ehegatten haben unter Umständen Anspruch auf Erziehungsrente (wenn Kinder vorhanden und noch nicht wiedergeheiratet wurde), nicht aber auf Witwenrente. Ein geschiedener Ehegatte erhält keine Hinterbliebenenrente nach dem Ex-Partner.

Beamte und andere Versorgungssysteme: Für Beamte, Richter und Soldaten gelten andere Hinterbliebenenversorgungen nach dem Beamtenversorgungsgesetz (BeamtVG). Die Witwen-/Witwerpension beträgt dort in der Regel 55% der Versorgungsbezüge. Für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes können tarifliche Zusatzversorgungen (VBL) weitere Leistungen erbringen.

Beantragung und wichtige Fristen

Den Antrag auf Witwenrente stellen Sie bei der Deutschen Rentenversicherung. Wichtige Frist: Wenn Sie den Antrag innerhalb von 3 Monaten nach dem Tod des Partners stellen, erhalten Sie die Witwenrente rückwirkend ab dem Todesmonat. Stellen Sie den Antrag später, beginnt die Zahlung erst ab dem Antragsmonat – Sie verlieren also rückwirkende Ansprüche.

Erforderliche Unterlagen: Sterbeurkunde des Verstorbenen, Heiratsurkunde oder Lebenspartnerschaftsurkunde, Eigene Geburtsurkunde, Geburtsurkunden gemeinsamer Kinder (falls vorhanden), Rentenversicherungsausweis (Versicherungsnummer) des Verstorbenen, Einkommensnachweise (aktuelle Gehaltsabrechnungen oder Rentenbescheide).

Bearbeitungsdauer: In der Regel 4–8 Wochen. Bei komplexen Fällen (Einkommensanrechnung, mehrere Versicherungszeiten aus unterschiedlichen EU-Ländern) kann es länger dauern. Während der Bearbeitungszeit kann die DRV eine Vorschusszahlung gewähren. Die DRV-Hotline (kostenlos): 0800 1000 4800 (Mo–Do 7:30–19:30, Fr 7:30–15:30 Uhr).

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

?Wie hoch ist die Witwenrente in Deutschland 2026?

Die Höhe der Witwenrente hängt von den Rentenansprüchen des Verstorbenen und dem eigenen Einkommen ab. Die große Witwenrente beträgt 55% der Rentenansprüche des Verstorbenen, die kleine 25% (für maximal 24 Monate). Bei einem eigenen Einkommen über dem Freibetrag (ca. 1.067 €/Monat im Jahr 2026) werden 40% des übersteigenden Betrags von der Witwenrente abgezogen.

?Was ist der Unterschied zwischen großer und kleiner Witwenrente?

Die große Witwenrente (55% der Rentenansprüche des Verstorbenen) wird dauerhaft gezahlt und setzt voraus: Vollendung des 47. Lebensjahres, Erziehung eines Kindes unter 18 Jahren oder volle Erwerbsminderung. Die kleine Witwenrente (25%) wird auf maximal 24 Monate begrenzt, wenn keine dieser Voraussetzungen erfüllt ist.

?Wird die Witwenrente auf Bürgergeld angerechnet?

Ja, Witwenrente zählt als Einkommen und wird bei Bürgergeld (SGB II) angerechnet. Es gibt jedoch Freibeträge: Der Grundfreibetrag beträgt 100 €/Monat, bei Erwerbstätigkeit weitere Freibeträge je nach Verdiensthöhe. Im Bürgergeld-Kontext empfiehlt sich eine Beratung beim Jobcenter, da die Anrechnung komplex ist.

?Wann beantrage ich am besten die Witwenrente?

Stellen Sie den Antrag so schnell wie möglich nach dem Tod des Partners, spätestens innerhalb von 3 Monaten. Dann erhalten Sie die Witwenrente rückwirkend ab dem Todesmonat. Bei einem späteren Antrag beginnt die Zahlung erst ab dem Antragsmonat – rückwirkende Ansprüche verfallen. Im Trauerfall: Viele Renten-Beratungsstellen der DRV bieten einen kostenlosen Soforttermin an.

?Bekomme ich Witwenrente, wenn ich selbst eine eigene Rente beziehe?

Ja, eine eigene Rente schließt die Witwenrente nicht aus. Allerdings gilt Ihre eigene Rente als anrechenbares Einkommen, das den Witwenrenten-Freibetrag überschreiten kann. Liegt Ihre eigene Rente über dem Freibetrag von ca. 1.067 €/Monat (2026), werden 40% des überschreitenden Betrags von der Witwenrente abgezogen. Unser Witwenrente-Rechner berechnet die genaue Höhe für Ihre Situation.